Reisen und Urlaube - für viele ein Abenteuer, für Hochsensible oft eine Herausforderung. Ungewohnte Umgebung, unvorhersehbare Abläufe, Reizüberflutung und fehlende Rückzugsmöglichkeiten: statt Erholung drohen Stress, Kopfschmerzen und das Gefühl, ständig überfordert zu sein.
Doch Reisen müssen für Dich nicht anstrengend sein:
In diesem Artikel erfährst Du, wie Du mit den richtigen Strategien unterwegs entspannter bleibst.

Inhaltsverzeichnis:
1) Hochsensibilität verstehen: Was passiert beim Reisen?
2) Welches Reiseziel passt zu Dir?
3) Sanft starten: Warum Vorbereitung alles leichter macht
4) Energie tanken statt auspowern – finde Deinen persönlichen Reiserhythmust
5) Essen & Trinken: Warum Hunger für Hochsensible kritisch ist
6) Umgang mit Kaffee, Alkohol & Co.
7) Kleidung – ein entscheidender Wohlfühlfaktor
8) Gerüche, Geräusche & Sinnesflut – Schutz vor Reizüberlastung
9) Rückzugsorte finden – und die passende Art der Unterbringung wählen
1. Hochsensibilität verstehen: Was passiert beim Reisen
Wenn du hochsensibel bist, besitzt Du eine „Wahrnehmungsbegabung“. Das bedeutet: Du registrierst viel mehr Reize aus Deiner Umwelt, als durchschnittlich sensible Menschen: Gerüche, Geräusche, optische Reize, Stimmungen anderer Menschen und Vieles mehr.
Reisen verstärkt das: unbekannte Orte, Menschenmengen, ungewohnte Abläufe, und damit verbunden: Unsicherheit und Aufregung. Es ist einfach Vieles ganz anders, als Du es aus Deinem alltäglichen Leben kennst.
Dein Nervensystem läuft dabei auf Hochtouren. Wenn Du das berücksichtigst, kannst Du einer Überforderung oder Reizüberflutung gut vorbeugen. Du möchtest Dich ja nicht hinterher vom Urlaub erholen müssen, stimmt`s?
Pick Dir gern aus meinen folgenden Impulsen das heraus, was Dir guttut. Damit Dir Deine Reise Freude macht, und damit Du sie genießen kannst.
2.Welches Reiseziel passt zu Dir?
Bei der Auswahl eines Reisezieles gibt es sooooo viele Möglichkeiten.
Städtetrip, mit Kultur und Sehenswürdigkeiten?
Oder eher Natur, Stille, wandern?
Möchtest Du in den Süden in die heiße Sonne, oder magst Du lieber gemäßigtes Klima?
Berge, oder Meer?
Rundreise, oder lieber die ganze Zeit an einem Ort?
Da kein hochsensibler Mensch dem anderen gleicht, können die Vorlieben ganz unterschiedlich ausgeprägt sein.
Für mich ist ein Urlaub in einer lebhaften vom Tourismus geprägten Stadt ein absolutes NoGo, aber vielleicht ist das für Dich ganz anders.
Wenn Du mit anderen gemeinsam reist, sei es Familie oder Freunden, dann schaut, dass ihr gemeinsam etwas findet, worauf auch Du Dich freust.
Manchmal muss man Kompromisse schließen, aber es ist in jedem Fall wichtig, dass Du weißt, was Du definitiv brauchst, um Dich wohl zu fühlen.
Vielleicht ist auch für Dich der geplante Städtetrip nicht unbedingt Dein Wunschziel? Aber Du könntest es Dir vorstellen, wenn Du z.B. ein ruhiges Einzelzimmer als Rückzugsraum für Dich hättest?
Überlege Dir am Besten schon im Vorfeld, welche Gegebenheiten Du unbedingt brauchst, und bei welchen Du Abstriche machen kannst.

Und ja: Es ist manchmal ein Spagat, einerseits in einer Gruppe Kompromisse zu schließen, und andererseits gut für sich selbst zu sorgen.
Und vielleicht ist die Vorplanung auch manchmal der richtige Zeitpunkt, um sich aus einer gemeinsam angedachten Reise rechtzeitig auszuklinken, wenn die Vorstellungen überhaupt nicht unter einen Hut zu bringen sind.
Achte auf eine passende Reisebegleitung, wenn Du nicht allein reist. Es spielt auch im Urlaub eine große Rolle, ob Du Dich mit den Personen wohlfühlst, die Dich umgeben.
3. Sanft starten: Warum Vorbereitung alles leichter macht
- Plane Pufferzeiten - reise lieber erst einen Tag nach Deinem Urlaubsbeginn an. So kannst Du Dich in aller Ruhe vorbereiten.
- Vielleicht findest Du es entspannter, wenn Du den Weg zum Urlaubsort in mehrere kleinere Etappen mit Zwischenstopps einteilst, anstelle einer einzigen langen Auto- oder Zugfahrt bzw. Flugreise.
- Welche Verkehrsmittel kommen für Dich in Frage, und welche nicht? Auch da gibt es ganz unterschiedliche Vorlieben oder auch Anschauungen. Manch eine/r verträgt das Fliegen nicht, oder möchte es aus Umweltschutzgründen nicht in Erwägung ziehen, gleiches gilt für Schiffsreisen… Manche Hochsensible lieben das Autofahren, andere finden es viel zu stressig und anstrengend. Das ist alles okay, verbiege Dich nicht, und finde Deine und vertrete Deine Art zu reisen.
- Spür bitte auch in Dich, wie lange Du wirklich verreisen möchtest. Manchen Hochsensiblen gruselt es vor längerer Abwesenheit aus der gewohnten Umgebung. Vielleicht planst Du ein, dass Du spontan den Rückweg antreten kannst, wenn es erforderlich werden sollte?
- Mach Dir die Route vertraut: Schau Dir vorher Karten, Bahnhofs- oder Flughafenpläne an.
- Packe dir einen kleinen Wohlfühl-Start ins Handgepäck: deine Playlist, ein gutes Hörbuch oder ein vertrauter Duft.
- Mach Dir eine Packliste, die Du bei weiteren Reisen wieder verwenden kannst, und nach Bedarf ergänzen kannst. So hast Du Deine bewährte „Grundausstattung“ bereits festgehalten, und musst sie nicht immer wieder neu aufschreiben. Das vermittelt Sicherheit.
So vermeidest Du Stress und Hetze, und kannst Deine Reise mit mehr Gelassenheit beginnen.
4. Energie tanken statt auspowern - finde Deinen persönlichen Reise-Rhythmus
Viele Hochsensible meinen, im Urlaub alles sehen zu „müssen“. Doch weniger ist mehr:
- Plane maximal eine Hauptaktivität pro Tag - und dazwischen viel Zeit zum Ankommen.
- Lege bewusste Pausen ein: am Strand, im Park oder in Deiner Unterkunft. Dein hochsensibles Nervensystem braucht Zeit, um alle Eindrücke und Erlebnisse in Ruhe zu verarbeiten.
- Gib dir die Freiheit, spontan Pläne zu ändern - deine innere Stimme kennt Dein aktuelles Energielevel am besten. Vertrau ihr.

5. Essen & Trinken: warum Hunger für Hochsensible kritisch ist
Plötzlicher Hunger kann Dich komplett aus der Balance werfen. Typisch sind dann Kopfschmerzen, Gereiztheit, Ungeduld oder sogar Tränen. Darum:
- Habe immer etwas Nährendes dabei: Nüsse, Trockenfrüchte, Obst, Cracker.
- Denke daran, ausreichend zu trinken: schon leichter Flüssigkeitsmangel stresst den Körper.
- Lass Dir bei der Wahl von Restaurants ruhig ein wenig Zeit. Macht Dir die Speisekarte Appetit, oder sagen Dir die Gerichte nicht zu? Wie ist es mit der Lautstärke, und findest Du einen
Sitzplatz, an dem Du Dich wohl fühlst?
Und nein: Das ist keine Pingeligkeit. Es ist einfach so, dass hochsensible Menschen sehr deutlich Gerüche, Stimmungen und auch Ästhetik wahrnehmen. Somit bestimmen viel mehr Aspekte als bei einem durchschnittlich sensiblen Menschen, ob sie sich wohl fühlen oder ob sie sich von einem Ort eher abgestoßen fühlen.
Also sei es Dir wert, und sei wählerisch, auch wenn Mitreisende das nicht immer nachvollziehen können.
Natürlich dürfen und müssen wir auch Kompromisse eingehen, wenn wir nicht allein reisen. Aber bitte schau, dass Du Dich dabei nicht komplett übergehst.
6. Umgang mit Kaffee, Alkohol & Co.

Viele Hochsensible reagieren empfindlich auf Koffein und Alkohol.
- Kaffee: Das darin enthaltene Koffein kann innere Unruhe und körperliche Symptome wie Herzrasen und Schwitzen verstärken. Probiere doch gern mal koffeinfreie Varianten aus, oder ob Du mit sanften Tees besser zurechtkommst.
- Alkohol: selbst kleine Mengen können stärkere Nachwirkungen als bei durchschnittlich sensiblen Menschen haben: Kopfschmerzen, Dumpfheit, oder sogar allergische Reaktionen.
Höre auf deinen Körper, und nicht auf Kommentare anderer.
7. Kleidung: ein entscheidender Wohlfühlfaktor
Für Hochsensible zählt aufgrund ihrer sensorischen Empfindsamkeit jedes Detail:
- Schneide Etiketten aus Deiner Kleidung heraus. Kratziges Material kann Dich über Stunden unterschwellig stressen.
- Achte darauf, dass Kleidung möglichst keine Nähte an Stellen hat, wo sie Dich stören. Gerade auf Reisen hat man nicht immer die Möglichkeit, sich umzuziehen, wenn´s zwickt oder scheuert.
- Wähle auf jeden Fall bequeme Schuhe: lieber eingelaufene Lieblingsschuhe als neue, die drücken.
- Mehrschichtige Kleidung ist Gold wert: so kannst Du jederzeit auf Witterungsumschwünge reagieren. Vielerorts ist das unter „Zwiebelkeidung“ bekannt: Schicht für Schicht flexibel an- oder ablegen können, je nach aktueller Wetterlage.
Gerüche, Geräusche & Sinnesflut – Schutz vor Reizüberlastung
- Kopfhörer oder Ohrstöpsel dämpfen Lärm in Bahn, Flugzeug oder Stadt. Nachts können Ohrstöpsel dafür sorgen, dass Dich ungewohnte Geräusche nicht beim Schlafen stören.
- Nutze gern eine Schlafmaske, wenn Dich Lichteinfall durch fehlende Rollläden oder zu dünne Vorhänge am Schlafen hindert.
- Sind Deinen Augen schnell angestrengt, wenn die Sonne scheint? Dann unterstütze Deine Augen mit einer Sonnenbrille, sodass Du alles entspannt betrachten kannst.
- Meide Orte mit starken Parfüm- oder Chemiegerüchen, wenn Dir das unangenehm ist.

Kennen wir uns schon?
Als ich von meiner Hochsensibilität erfuhr, wurde mein Leben endlich leichter! Ich zeige Dir gern die Abkürzung.
9. Rückzugsorte finden- und die passende Art der Unterbringung wählen
Dein hochsensibles Nervensystem braucht Pausen. Das ist keine Schwäche, sondern Selbstfürsorge.
- Suche dir eine Unterkunft, wo du dich wirklich zurückziehen kannst - idealerweise mit Balkon, Terrasse oder eigenem (Schlaf)Raum.
- Überlege bitte ganz grundsätzlich, welche Art der Unterkunft für Dich am entspanntesten ist. Hotelzimmer? Ferienwohnung? Ferienhaus? Oder…? Ich reise fast ausschließlich in Ferienhäuser, weil ich Platz und Ruhe um mich herum sehr schätze. Da nehme ich gern in Kauf, Selbstversorger zu sein. Wie ist das bei Dir?
- Plane bewusste Alleinzeiten ein, gerade wenn du in Gesellschaft reist.
- Schaffe dir kleine Rückzugsräume unterwegs - eine ruhige Ecke im Park, ein Café mit angenehmer Atmosphäre, ein stiller Platz in der Natur. Atme durch, relaxe.
- Plane „me-time“ ein. Vielleicht magst Du eine Runde Yoga praktizieren, oder einen Podcast hören, ein Buch lesen, Tagebuch schreiben … whatever: Tu das. Auch wenn Du vielleicht mit Deiner
Familie und ggfs. mit kleinen Kindern unterwegs bist: Schau, dass Du auch Zeit für Dich allein hast, und Dir Gutes tun kannst.
Falls Du dazu neigen solltest, es anderen oft recht zu machen und dabei Deine Bedürfnisse eher hintenan zu stellen, dann findest Du hier wertvolle Impulse, um aus dem „People Pleasing“ auszusteigen („Immer will ich es anderen recht machen“).
10. Selbstbewusst reisen - ohne schlechtes Gewissen
Reisen als Hochsensible bedeutet nicht, weniger zu erleben - sondern tiefer. Du nimmst Stimmungen, Farben, Gerüche, Begegnungen und Eindrücke sehr intensiv wahr. Genau das macht Deine Reisen einzigartig. Erlaube dir, Dein Tempo zu gehen, Grenzen zu setzen und Pausen einzulegen. Denn Reisen ist kein Wettbewerb. Es ist Deine ganz persönliche Entdeckungsreise - und sie darf so leise, sanft und erfüllt sein, wie du es brauchst und möchtest.
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